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Leseprobe aus
Band 12: Das haarsträubende Hotel
von Lemony Snicket
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth
Kapitel 1
Die Welt gleicht einem stillen Teich, meinen manche, und sooft ein Mensch etwas tut, und sei es noch so geringfügig, ist es, als würde ein Stein in den Teich geworfen, der seine Wellenringe aussendet, weiter und immer weiter, bis die ganze Welt durch diese eine kleine Handlung verändert ist. Wenn das stimmt, solltest du das Buch, das du jetzt eben liest, vielleicht schleunigst in einen Teich werfen. Dann breiten sich die Wellenringe über den Spiegel des Teiches aus, und die Welt wird ein besserer Ort als zuvor, denn es gibt eine deprimierende Geschichte weniger für die Menschen zum Lesen und ein Geheimnis mehr, das am Grund eines Teiches verborgen liegt, wo fast niemand je sucht. Die jammervollen Schicksale der Baudelaire-Waisen finden in schlammiger Tiefe Ruhe, und statt von dem Entsetzlichen lesen zu müssen, das ich hier berichte, kannst du dasitzen und dem Abschaum, der in der Welt ganz oben schwimmt, beim Schwappen zusehen.
Die Baudelaire-Kinder auf dem Rücksitz ihres Taxis, das von einer Frau gelenkt wurde, die sie kaum kannten, hätten sich wahrscheinlich gleich selbst in den nächsten Teich werfen wollen, wenn sie gewusst hätten, welche Wendung ihre Geschichte noch nehmen würde. Fürs Erste kurvte der Wagen durch die verwinkelten Straßen der Stadt, in der die Waisen früher gewohnt hatten, und Violet, Klaus und Sunny Baudelaire sahen zu den Autofenstern hinaus und staunten, wie wenig die Stadt sich verändert hatte, seit ein Brand ihr Zuhause zerstört, ihnen ihre Eltern geraubt und Wellen in ihrem Leben geschlagen hatte, die sich womöglich nie wieder glätten würden.
Als das Taxi um eine Ecke bog, erblickte Violet den Markt, wo sie und ihre Geschwister die Zutaten für das Abendessen eingekauft hatten, das sie für Graf Olaf hatten kochen müssen, den berüchtigten Bösewicht, der nach dem Feuer ihr Vormund geworden war. Selbst nach all dieser Zeit, in der Olaf einen hinterlistigen Plan nach dem anderen ausgeheckt hatte, um an das gewaltige Vermögen zu kommen, das die Baudelaire-Eltern hinterlassen hatten, sah der Markt noch haargenau so aus wie an dem Tag, an dem sie mit Richterin Strauss, einer wohlmeinenden Nachbarin und Richterin am Obersten Gerichtshof, zum ersten Mal dort gewesen waren. Hoch über dem Marktplatz ragte ein riesiges glitzerndes Gebäude auf, das Klaus als die Dunkle Allee 667 erkannte, wo die Waisen eine Zeitlang bei Jerome und Esmé Elend in einem riesigen Penthaus gewohnt hatten. Dem mittleren der Baudelaire-Kinder schien es, als hätte das Gebäude sich kein bisschen verändert, seit sie damals Esmés verräterischer Liebschaft mit Graf Olaf auf die Spur gekommen waren. Und Sunny, die noch so klein war, dass sie eine stark eingeschränkte Sicht nach draußen hatte, hörte einen Schachtdeckel unter den Taxireifen klappern und musste an den unterirdischen Gang denken, auf den sie und ihre Geschwister gestoßen waren und der vom Keller der Dunklen Allee 667 zu den verkohlten Überresten ihres Elternhauses führte. Wie der Marktplatz und das Penthaus bestand auch das Geheimnis dieses Ganges unverändert fort, obwohl die Baudelaire-Kinder seither eine Geheimorganisation mit Namen F.F. kennengelernt hatten, von der, wie sie glaubten, viele solcher Gänge gebaut worden waren. Jedes Rätsel, das die Kinder gelöst hatten, hatte nur ein neues Rätsel zutage gefördert, und dies wieder eins, und dies wieder eins und gleich noch ein paar und dann noch eins, so als würden die drei Geschwister tief und tiefer in einen Teich hinabtauchen, derweil die Stadt ruhig an der Oberfläche lag, unberührt von all den betrüblichen Ereignissen im Leben der Waisen. Und nun kehrten sie zurück in die Stadt, die einmal ihr Zuhause gewesen war, und noch immer war kaum eins der Geheimnisse gelüftet, die ihr Dasein überschatteten. Zum Beispiel wussten sie nicht, wohin sie fuhren, und von der Frau, die am Steuer saß, wussten sie letztlich nichts als den Namen.
"Ihr habt sicher tausend Fragen, Baudelaires", sagte Kit Snicket, und ihre Hände, die in weißen Handschuhen steckten, kurbelten energisch am Lenkrad. Violet, die technisch sehr versiert war - ein Ausdruck, der hier so viel bedeutet wie "begabt im Erfinden mechanischer Vorrichtungen" -, war beeindruckt, wie weich der Wagen dahinschnurrte, während Kit ihn in rasantem Bogen durch ein breites Metalltor steuerte und dann weiter eine schmale, kurvenreiche Straße entlang, die von Buschwerk gesäumt war. "Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit zum Reden, aber heute ist schon Dienstag. Ihr werdet euch gerade noch zu eurem hochwichtigen Brunch hinsetzen können, bevor ihr in eure Concierge-Verkleidungen schlüpft und eure Beobachtungen als Flaneure aufnehmt."
"Concierge?", fragte Violet.
"Flaneure?", fragte Klaus.
"Brunch?", fragte Sunny.
Kit lächelte und nahm schwungvoll die nächste Kurve.
Zwei Gedichtbände rutschten vom Beifahrersitz auf die Fußmatte - Das Walross und der Zimmermann und andere Gedichte von Lewis Carroll und Das wüste Land von T.S. Eliot. Die Baudelaire-Kinder hatten eben erst eine verschlüsselte Nachricht empfangen und sie mit Hilfe der Gedichte von Mr. Carroll und Mr. Eliot decodiert, wodurch sie zur Kahlen Küste und damit zu Kit Snicket gelangt waren - und nun sprach auch Kit in Rätseln! "Ein bedeutender Mann hat einmal gesagt, das Recht, auch wenn es daniederliegt, siegt doch über das auftrumpfende Böse. Versteht ihr, was das bedeutet?"
Violet und Sunny sahen ihren Bruder an, den Literaturexperten der Familie. Klaus hatte so viele Bücher gelesen, dass er praktisch eine wandelnde Bibliothek war, und neuerdings hatte er damit begonnen, wichtige und interessante Fakten in ein dunkelblaues Notizbuch einzutragen.
"Ich glaube schon", sagte Klaus. "Er meint damit, dass gute Menschen stärker sind als schlechte, auch wenn die Schlechten zu gewinnen scheinen. Ist er ein Mitglied von F.F.?"
"Wie man's nimmt", sagte Kit. "Auf jeden Fall trifft seine Botschaft auf unsere gegenwärtige Situation zu. Wie ihr wisst, hat sich unsere Organisation vor einiger Zeit in zwei Teile gespalten, mit viel bösem Blut auf beiden Seiten."
"Das Schisma", sagte Violet.
"Ja", bestätigte Kit mit einem Seufzer. "Das Schisma. F.F. war einmal eine große Gruppe Freiwilliger, die mit vereinten Kräften Brände zu löschen versuchten - im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Aber jetzt sind es zwei Gruppen von erbitterten Gegnern. Manche von uns löschen nach wie vor Feuer, aber andere verfolgen weit weniger ehrenhafte Ziele."
"Olaf", sagte Sunny. Ihre Sprechkünste waren noch nicht völlig ausgereift, aber alle im Taxi wussten, was sie meinte, als sie den Namen des berüchtigten Bösewichts aussprach.
"Graf Olaf ist einer unserer Gegner", bestätigte Kit, wobei sie stirnrunzelnd in den Rückspiegel sah, "aber es gibt noch viele, viele andere, die genauso böse oder sogar noch böser sind. Wenn ich recht informiert bin, seid ihr zweien davon in den Bergen begegnet - einem Mann mit Bart, aber ohne Haare und einer Frau mit Haaren, aber ohne Bart. Es gibt etliche mehr, mit allen möglichen Frisuren und Gesichtsdekorationen. Seinerzeit konnte man die Mitglieder von F.F. natürlich an der Tätowierung über dem Knöchel erkennen. Aber inzwischen nehmen die schlechten Menschen so überhand, dass wir gar nicht allen unseren Feinden auf der Spur bleiben können - während sie uns leider permanent auf den Fersen sind. Jetzt gerade übrigens auch wieder, wenn mich nicht alles täuscht." Die Baudelaire-Kinder spähten durch die Heckscheibe hinaus und entdeckten ein zweites Taxi, das in einigem Abstand hinter ihnen herfuhr. Wie Kit Snickets Wagen hatte auch dieses Taxi getönte Scheiben, darum konnten sie durch das dunkle Glas nichts sehen.
"Wieso glauben Sie, dass in dem Taxi da Feinde sitzen?", fragte Violet.
"Ein Taxi nimmt jeden mit, der es heranwinkt", sagte Kit. "Es gibt zahllose niederträchtige Menschen auf der Welt, woraus folgt, dass ein Taxi gar nicht anders kann, als früher oder später einen niederträchtigen Menschen mitzunehmen."
"Oder einen ehrenhaften", wandte Klaus ein. "Unsere Eltern haben einmal ein Taxi zur Oper genommen, als ihr Auto nicht anspringen wollte."
"An den Abend erinnere ich mich gut", antwortete Kit mit einem flüchtigen Lächeln. "Die Oper war Die Macht des Schicksals. Eure Mutter hatte eine rote Stola an, die mit langen Federn besetzt war, und in der Pause bin ich ihnen an die Bar gefolgt und habe ihnen eine Schachtel vergiftete Wurfpfeile zugesteckt, bevor Esmé Elend mich erwischen konnte. Es war nicht leicht, aber wie ein Gefährte von mir zu sagen pflegt: ›Allen Widrigkeiten zu trotzen, Mut zu bewahren, wenn alle ringsum verzagen, inmitten von Intrigen sauber zu bleiben und sogar vom Ehrgeiz zu lassen, wenn das Ziel erreicht ist - wer will leugnen, dass darin Größe liegt?‹ Apropos Größe: gut festhalten jetzt, bitte. So leicht folgt uns kein potentieller Feind zu unserem hochwichtigen Brunch!"
Wenn jemand sagt, ihm wirbelt der Kopf, dann will er damit für gewöhnlich ein hohes Maß an Verwirrtheit ausdrücken. Und die Baudelaire-Kinder, denen gerade von einer Fremden, die ein Taxi mit Vollgas einer rätselhaften, nicht näher genannten Mission entgegensteuerte, im Eiltempo die Nöte einer zwiegespaltenen Geheimorganisation geschildert worden waren, garniert mit den Aussprüchen diverser historischer Persönlichkeiten zum Thema menschliche Niedertracht, hätten sicherlich Anlass gehabt, die Redewendung in diesem Sinne zu gebrauchen.
Aber es gibt seltene Momente, in denen die Wendung "Mir wirbelt der Kopf" eine Situation bezeichnet, in der der Kopf tatsächlich wirbelt, und als Kit das Wort "Brunch" aussprach, war einer dieser Momente gekommen.
Das Lenkrad fest in den behandschuhten Händen, riss Kit den Wagen so heftig herum, dass er von der Fahrbahn abkam. Die Köpfe der Kinder - und nicht nur die Köpfe - wirbelten wie wild, zusammen mit dem Taxi selbst, das in das dichte grüne Buschwerk neben der Straße schlitterte. Und auch im Gebüsch drehte das Taxi sich weiter, und mehrere Sekunden lang sahen die Geschwister nichts als verschwommene grüne Streifen, während das Taxi sich drehte und drehte, und hörten nichts als das Kratzen der Zweige, die an seinen Türen entlangschrammten, und spürten nichts als die Erleichterung darüber, dass sie ans Anschnallen gedacht hatten, und dann wirbelten ihre Köpfe auf einmal nicht mehr, und sie fanden sich zittrig, aber wohlbehalten auf einem Wiesenhang auf der anderen Seite der Büsche wieder, wo das Taxi zum Stehen gekommen war. Kit stellte den Motor ab, ließ die Stirn auf das Lenkrad sinken und seufzte tief.
"Ich sollte so was wahrscheinlich nicht machen", sagte sie, "in meiner Verfassung."
"Verfassung?", fragte Sunny.
Kit hob den Kopf wieder, und zum ersten Mal, seit die Baudelaire-Kinder zu ihr in den Wagen gestiegen waren, wandte sie ihnen vollständig das Gesicht zu. Es war ein freundliches Gesicht, aber ihre Stirn war von Sorgenfalten gefurcht, und sie sah aus, als hätte sie schon länger nicht mehr ordentlich geschlafen. Ihr Haar war lang und zerrauft, und zwei Bleistifte spießten in seltsamen Winkeln daraus hervor. Sie trug einen sehr eleganten schwarzen Mantel, der bis zum Hals zugeknöpft war, doch die Blume, die in seinem Knopfloch steckte, hatte eindeutig bessere Tage gesehen, ein Ausdruck, der hier so viel bedeutet wie "hatte fast alle Blütenblätter verloren und war auch sonst ziemlich verwelkt". Hätten die Geschwister Kits Verfassung beschreiben sollen, so hätten sie gesagt, dass sie aussah wie eine Frau, die viel durchgemacht hat, und sie fragten sich, ob man ihnen all das, was sie selbst durchgemacht hatten, wohl auch so deutlich an ihren Gesichtern und Kleidern ablesen konnte. "Ich bin völlig aufgelöst", sagte Kit, was hier so viel bedeutet wie "traurig und durcheinander". Sie stieß die Taxitür auf und seufzte noch einmal. "Da habt ihr meine Verfassung. Ich bin aufgelöst, und ich bin schwanger."
Sie schnallte sich ab und stieg aus, und die Baudelaire-Kinder sahen, dass es stimmte. Ihr Bauch unter dem Mantel stand leicht, aber unübersehbar vor, wie er nur bei einer Frau vorsteht, die ein Kind erwartet. Eine Frau in einer solchen Verfassung sollte Stresssituationen meiden, ein Ausdruck, der hier so viel bedeutet wie "nichts tun, was ihr selbst oder ihrem zukünftigen Nachwuchs abträglich sein könnte". Violet und Klaus erinnerten sich noch genau an die Zeit, als ihre Mutter Sunny erwartet und sich, sooft sie nur konnte, auf dem größten Sofa in der Bibliothek ausgeruht hatte, wo der Vater der Baudelaire-Kinder ihr Limonade und Vollkorntoast brachte oder die Kissen unter ihr aufschüttelte, damit sie bequemer lag. Manchmal spielte er auch eins von ihren Lieblingsliedern auf dem Grammophon, und dann hievte sie sich vom Sofa hoch und tanzte schwerfällig im Zimmer herum, die Hände um ihren immer runder werdenden Bauch gelegt, und schnitt komische Grimassen zu Violet und Klaus hinüber, die auf der Türschwelle standen und zuschauten, aber hauptsächlich war die dritte Baudelaire-Schwangerschaft eine Zeit der Ruhe und Entspannung gewesen. Die Baudelaire-Geschwister waren sich sicher, dass ihre Mutter zu keinem Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft ein Taxi durch ein Dickicht hatte wirbeln lassen, und es tat ihnen leid, dass Kits Verfassung es ihr nicht erlaubte, solche Stresssituationen zu vermeiden.
"Sucht eure Sachen zusammen, Baudelaires", sagte Kit, "und wenn es euch nichts ausmacht, seid so nett und nehmt meine Sachen auch mit - nur die paar Bücher und Papiere auf dem Vordersitz. Man sollte grundsätzlich keine persönlichen Gegenstände in einem Taxi zurücklassen, denn man kann sich nie sicher sein, ob man sie wiedersieht. Aber macht bitte schnell. Ich fürchte, unsere Gegner wenden ihr Taxi und folgen uns."
Damit ließ Kit die Baudelaire-Kinder stehen und ging mit langen Schritten den Wiesenhang hinunter, während die Geschwister sich verwirrt ansahen.
"Als wir vorhin zur Kahlen Küste kamen", sagte Violet, "und das Taxi schon dastand, genau wie es in der Nachricht geheißen hatte, da dachte ich, endlich werden alle unsere Fragen beantwortet. Und jetzt habe ich nur noch mehr Fragen als vorher."
"Ich auch", sagte Klaus. "Was hat Kit Snicket mit uns vor?"
"Was für Concierge-Verkleidungen meint sie?", fragte Violet.
"Was für Beobachtungen als Flaneure meint sie?", fragte Klaus.
"Was ist so hochwichtig an einem Brunch?", fragte Violet.
"Woher wusste sie, was für Bösewichtern wir in den Bergen begegnet sind?", fragte Klaus.
"Wo ist Quigley Quagmeir?", fragte Violet - ein junger Mann, an dem der ältesten Baudelaire-Waisen recht viel lag und der den drei Kindern die verschlüsselte Nachricht geschickt hatte.
"Traun?", sagte Sunny leise, und das war die wichtigste Frage von allen. Mit "traun" meinte sie etwas im Sinne von "Wirkt Kit Snicket wie jemand, dem man vertrauen kann, und sollten wir ihr folgen?", und das ist wohl eine der heikelsten Fragen, die man in Bezug auf einen Menschen stellen kann. Die Entscheidung, ob man jemandem trauen soll oder nicht, hat Ähnlichkeit mit der Entscheidung, ob man auf einen Baum klettern soll oder nicht, denn es könnte sein, dass man vom höchsten Ast einen unvergleichlichen Ausblick hat, doch genauso gut könnte es sein, dass man sich lediglich mit Harz vollschmiert, weshalb viele Menschen es vorziehen, ihre Zeit allein und in geschlossenen Räumen zuzubringen, wo man sich weniger leicht einen Splitter holt. Die Baudelaire-Kinder wussten nur sehr wenig über Kit Snicket, darum ließ sich schwer absehen, welche Wendung ihre Geschichte nehmen würde, wenn sie Kit den Wiesenhang hinab zu den mysteriösen Aufträgen folgten, die sie angedeutet hatte.
"In den wenigen Minuten, seit wir sie kennen", sagte Violet, "ist Kit Snicket mit einem Taxi quer durchs Dickicht gebrettert. Normalerweise täte ich mich schwer, so jemandem zu trauen, aber…"
"Das Plakat", vollendete Klaus, als seine Schwester mitten im Satz abbrach. "Ja, das weiß ich auch noch. Mutter hat gesagt, sie hätte es in der Pause gekauft, als Andenken. Sie hat gesagt, einen so interessanten Opernabend hätte sie noch nie erlebt, und sie wollte ihn nie vergessen."
"Auf dem Plakat war ein Gewehr", erinnerte Violet sich, "und der Pulverdampf hat die Worte des Titels gebildet."
Sunny nickte. "La forza del destino", sagte sie. Die drei Kinder sahen den Wiesenhang hinab. Kit Snicket war schon ein gutes Stück entfernt und hatte kein einziges Mal zurückgeblickt, ob die Kinder ihr folgten. Ohne ein weiteres Wort griffen die Geschwister Kits Sachen vom Beifahrersitz - die beiden Gedichtbände, die sie schon anfangs bemerkt hatten, und einen Pappordner, der überquoll von Blättern. Dann drehten sie sich um und liefen den Hang hinunter. Hinter der Hecke drang ein schwaches Geräusch hervor: vielleicht ein Taxi, das wendete, vielleicht raschelte aber auch nur der Wind in den Zweigen.
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